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Cymed AG, Bochum
Beschreibung
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© stegepartner
Glücksfall Grundstück - Neuer Gewerbebau nutzt ein Restgrundstück, das als nahezu nicht bebaubar galt
Das neue Firmengebäude der Softwareschmiede Cymed grenzt sich demonstrativ von umgebenden Gebäuden im Bochumer Technologiepark ab und wendet sich mit seiner offenen Südfassade dem südlich gelegenen Naturschutzgebiet zu. Von ihren hellen, gleichzeitig blendfreien Computerarbeitsplätzen genießen die Softwareentwickler jederzeit einen unverbaubaren Blick ins Grüne.
In einem „Allerweltstechnologiepark“, der in erster Linie durch eine Anhäufung mäßiger und belangloser Nachbargebäude glänzt, war ein kleines, schmales Eckgrundstück in einer Strassenkurve übrig, für das sich die Bauherrn entschieden. Wohl mehr aus der Überlegung heraus, da es strategisch richtig für ihr Unternehmen lag und sehr günstig zu erweben war, zumal sich hierfür kein Käufer fand.
Das Grundstück war eher ein Restgrundstück. Aber genau in der städtebaulichen Situation, mit südlich gegenüber liegendem Naturschutzgebiet, am Waldesrand mit unverbaubarem Blick, grosser Dynamik durch seine Kurvenlage und der, unter dem städtebaulichen Prinzip des „Einfügens“, unbrauchbaren Nachbarbebauung, lag die grosse Qualität dieser Parzelle.
So war der Zufall aus preiswerter Grundstückssuche, der eigentlichen Grundstückssituation und den hieraus resultierenden, für die Bauherrn anfangs unbewussten, städtebaulich architektonischen Möglichkeiten, eher die glückliche Fügung.
Das Grundstück selbst liess dann auch schnell das architektonische Konzept entstehen:
„Drei + eine Fassade“ – abgrenzen, sich verschlossen zeigen nach Norden, Osten und Westen, überall dort , wo der Blick für die Nutzer aus dem Gebäude wenig Erfreuliches bietet und öffnen nach Süden zum Wald, zur Landschaft mit einer noblen, wenn auch gleichzeitig strengen Fassade und ausschliesslich raumhohen Fenstern. Von äusserster Wichtigkeit war natürlich auch, souverän die städtebauliche Ecksituation und den Eingang zu definieren.
Tatsächlich ist es gelungen, dass bis auf sehr wenige, fast alle Mitarbeiter den Blick in den Wald geniessen und durch die Typologie des Baus, selbst bei seitlichem Blick aus dem Fenster, keines der besagten Nachbarbauten zu sehen ist.
Drei Fassaden aus Stein, in einem dunklen, schwarz-blau-rotem dünnformatigem Ziegel im Läuferverband und eine Fassade aus ochsenblutrotbraunem Putz, Travertin und Sichtbeton als Komposition aus vertikal geschichteten Ebenen innerhalb eines horizontal verlaufenden und nur in den Gebäudeeckbereichen vertikalen, weissen Putzrasters, formulieren die vier Seiten des Bauwerks und dessen Abstaffelungen.
Die steinernen Fassaden, der „monolithische Rücken“, sind geschlossen mit kleinen Fenstern und bandartigen Schlitzen mit allesamt 36,5 cm tiefen Laibungen, um eine grosse Plastizität zu erzielen und bewusst das Thema des „Abgewandten“ und „Verschlossenen“ zu erzeugen. Die Fenster selbst treten in den Hintergrund, verstärkt durch das Konstruktionsdetail, dass sämtliche Blendrahmen von aussen unsichtbar sind. Die Flügel sind schwarz-anthrazit gestrichen und ebenfalls fast nicht erkennbar. Was somit plastisch und konkret wird sind die eigentlichen Öffnungen. Der Eindruck des „Schweren“ und „Trutzigen“ ist gewollt.
Die Staffelungen, die deutlich die Kurve der Strasse und die besondere Lage des Gebäudes definieren sind nach Osten sogar gänzlich geschlossen und bilden 10 m hohe, vom weissen Putzraster gerahmte, ruhige Ziegelflächen.
Die südliche „Palazzofassade“, wie sie schnell diese Bezeichnung im Büro erlangte, ist eine Komposition aus Putz, Travertin, Sichtbeton und Glas behandelt das Thema der Repräsentativseite, analog historischer Bauten, die oftmals eine sogenannte „Schmuckfassade“ besassen, deren einziger Sinn war, mit ihrer Schönheit zu repräsentieren. Hier zeigt sich der Bau zur Landschaft und zur Strasse offen, ohne gläsern zu sein, streng in seiner Teilung und selbstbewusst, fast ein wenig herrschaftlich, ohne banale Symmetrien aufzubauen.
Die Struktur des Fassadenreliefs mit seinen fünf unterschiedlichen Ebenen ist das vorherrschende Gestaltungselement. Dessen rigide, unendlich wiederkehrende Vertikalstruktur schenkt dem Gebäude Tiefe und strenge Noblesse zu seiner wichtigsten Seite.
Die extreme Vertikalität verkörpert auch eine Analogie und Metapher zur Struktur des gegenüberliegenden Waldes. Die Vertikalität der Baumstämme ist hierbei bezeichnend.
Durch Farbe und Lage sind die signifikantesten dieser Fassadenebenen glatt gefilzte mineralische Putzflächen mit 0,5er Körnung, jeweils als Wärmedämmverbundsystem ausgeführt, ochsenblutrotbraun und weiss.
Der hohe Eingang des Baus, das Raster der Südfassade noch einmal über die gesamte Gebäudehöhe verlängert, definiert klar und unmissverständlich, dass der Bau von hier erschlossen wird und Beginn oder Ende des Staffelthemas ist, je nach dem von wo man den Bau betrachtet.
Betritt man die Eingangshalle durch die weisse Holztür erschliesst sich dem Besucher ein expressives Raumerlebnis.
Die Halle, direkt hinter der Tür fast 10 Meter hoch und nur 1,50 m breit, verändert sich streng geometrisch einem Raster folgend, von einer Dreigeschossigkeit über eine Zweigeschossigkeit zu einer Eingeschossigkeit, bei gleichzeitiger Entwicklung in ihrer Tiefe. Das, was das räumliche Konstrukt in der Höhe abnimmt, nimmt es in der Tiefe zu.
Der Blick von innen nach aussen kann ausschliesslich in die Bäume streifen. Der gegenüberliegende Wald wird über 6 grosse, fast quadratische Fenster nach Süden, Teil der Halle.
Das Ergebnis ist ein Eingangsraum, der einfach nur Raum – Raumerlebnis ist, ohne wirklich konkrete Funktion, sieht man einmal von einem kleinen Empfangsarbeitsplatz ab.
Alles ist glatt geputzt und weiss gestrichen, so dass sich über den Tag faszinierende Licht- und Schattenspiele ergeben.
Bleibt zu hoffen, dass die Nutzer diese räumliche Askese über die Jahre hinweg so belassen.
Aktuelles
06.02.2008Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen gegründet
Am 18. Januar 2008 wurde in Berlin die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen e.V. (DGNB)...
15.01.2008Dokumentation des Workshops "Nachhaltigkeit von Investitionsentscheidungen in der Immobilien- und Wohnungswirtschaft" zum Download bereit
Link zum Download der Dokumentation: www.ils-shop.nrw.de/cgi-bin/ilsos/070241
Hausprojekte
Aus alt mach neu
58119 Hagen
Fertigstellung: 2006
KfW40 für eine prima Familie
44147 Dortmund
Fertigstellung: 2006